Dienstag, 9. März 2010

Happy Holi


Am Sonntag war es nun soweit...endlich Holi. Ich war so voller Vorfreude:) Allerdings boten die Schlender in die Stadt in den vergangen Wochen schon einen Vorgeschmack auf das Hindufarbenfest. Als wir zwei Wochen zuvor nach Changu liefen, wurde meine Hosen schon von hinten attakiert - seit jeher sammelten die kleinen Jungs – oder auch größeren – das Wasser und die Straßenläden waren voll mit Holiartikeln - Farbe, Wasserpistolen und so einen Plastesäckchen. Gerade so drei Tage vor Holi fing es an – sobald ich Kinderschreie wahrnahm, war ich auf der Hut vor kleinen Wasseratacken. Doch meist waren dann die Jungs ganz kulant und lachten nur, wenn ich meinte please dont throw it...und oft hörte ich .. its holi time...und dann nahm ich auf ihren Hinweis die Beine in die Hand...besonders spannend im dunkeln auf dämmriger Straße....aber eine hilfreiche Methode um doch auf eine Dusche im Bad und nicht auf Straße nehmen zu müssen – immer wenn wir das KhTor passierten, fühlten wir uns in Sicherheit.Oftmals reichte aber schon ein Blick auf die Straße, die mit Wasserflecken und aufgeplatzten Plastiktütchen an manchen Orten übersät war, um mit einem wachenden Auge und trockenen Sachen heim zu kommen. Aber wie gesagt nur oftmals. An sich ist es ja nur Wasser – nur die Frage ist, welches Wasser.....:)
Wir hatten ja überlegt nach Thamel zu fahren, weil es dort besonders toll sein sollte, wenn ein Großteil der Touristen dort feiert. Von anderen hörten wir, dass es fürchterlich auf der Straße sein soll, da auch Teer und irgendwelche anderen resistenten Stoffe als Wurfgeschosse benutzt wurden. Entscheidungen und ich! Letztendlich blieben wir dann im guten Krankenhaus – und es war auch gut so. Sarah brachte tolle rote, gelbe und pinke Farbe aus Kathmandu mit, wir stibitzen uns 20ml Spritzen aus dem Lagerraum...kleideten uns schön ein und auf gings am Sonntag, endlich, happy Holi.
Kurzer Exkurs: So ganz hab ich immer noch nicht verstanden, warum Holi gefeiert ist. An sich ist Holi ein holy day als auch ein holyday und wir auch in Indien zelebriert. Man feiert die Austreibung des Bösen aus der Welt. Gefeiert wird der Sieg eines Gottes– einer der Millionen – über einen Dämonen. Comme toujours. Und eben dieser hat jemanden aus dem Feuer gerettet – und daher wird nun immer mit Wasser geworfen. Das Fest hat auch etwas versöhnlich – wenn Nachbarn oder Bekannte sich gestritten haben, wird mit Holi und indem man das Farbpuder miteinander austauscht, ein Neuanfang gestartet. Traditionell wird Holi mit Verwandten und Freunden zu Hause gefeiert – nur die Jugendlichen schlagen über die Stränge und daher wird Holi so zwiespältig in der Bevölkerung angesehn...ich versuchte mich im Lesen und Verstehen der Leserkommentare in der Kathmandu Post – nunja, mein Englisch.
Als ich eben diese las und genüsslich mein Frühstück mit Blick auf den Innenhof, der eigentlich noch recht verschlafen wirkte, einnahm, sah ich doch, wie das Personal anfing rumzuschäkern. Ganz vorn dabei war der Sohn (6) des Kochs – ein Prachtstück an Niedlichkeit:) - aufgrund des großen Gelächters wurden dann auch die anderen aus den Zimmern gelockt – und dann entdeckte der Junge uns – und versuchte uns mit seiner wasserpistole abzuschießen....ha! Das wäre doch gelacht gewesen. 20 ml Einwegspritzen. DIE Waffe. Ich hätte nie gedacht, wie weit und genau man mit den spritzen kann....Nun kam langsam Schwung ins Altenheim. Wir turnten etwas rum, allerdings drei mal dürft ihr raten, wer uns zu erst nass gemacht hat: Ein Opi. Ein dreister:) Er stand unauffällig oben am Geländer und goss frohen Mutes Gläser mit Wasser auf uns, während wir in unser Gefecht vertieft waren. Nachdem dann auch die ersten Farbbomben gefallen waren, wichen wir auf den Garten aus – zwischenzeitlich kam auch mal der Krankenhausdirektor vorbei um uns ein Happy Holi zu wünschen. Wie magisch zogen wir die Bewerferei an und plötzlich schossen wir auf Jungs, die wir noch nie zuvor gesehen hab – sie arbeiten hier irgendetwas, constructor....who knows. Es ist sinnlos zu beschreiben, wie es abläuft, es ist einfach eine Mischung aus dem infantilen Spieltrieb einer Schneeballschlacht und der sinnfreien Ausgelassenheit des Karnevals. Das interessante ist, dass meist Jungsgruppen von so etwa 10 Mann durch die Straßen laufen – aber die Frauen alle auf den Dachterassen stehen und von oben ihre Wasserbecken entleeren.




So auch unsere Nachbarn. Es hat einfach Spaß gemacht. Man schnappt sich das Farbpuder, panscht damit rum und coloriert damit Gesicht und Sachen. Nach der Finissage des Spiels, wärmten wir uns frisch geduscht wieder in der Sonne auf. Doch das war zu früh. Dann ging des Farbspiel erst richig los. Und zwar bei der Feier der alten Leute! Wir wurden folgten der Einladung des Raikimeisters (der zuvor noch ein ordentliches Mischungsverhältnis von Cola und Whisky herstellte....) und betraten den Raum...auf einmal stürtzten Frauen auf uns zu um unserem weißen Gesicht doch noch Farbe zu verleihen – erst probierten wir zu flüchten, sehr zum Amusement der älteren – doch dann gaben wir uns – unter Betonung von ali ali (wenig wenig) den Farben hin. Doch das war eine Täuschung. Einmal angefangen, gab es kein Entkommen und zahlreiche Frauen mit Farbpuder umzingelten usn und kamen auf uns zugestürmt. Ich glaube soo farbfanatische Leute hab ich noch nicht gesehen. Da waren ja die Jungs noch recht gemach in ihrem Spiel. Was solls – wir sahen nun alle selten geschossen aus – es gehörte nun mal dazu. Dann sollten wir noch das Fetchen mit einem Tanz eröffnen...dem special Holitanz...sehr zur Freude der Damen und Herren, die uns . Musik kam von einem Keyboard, Klanghölzern, Triangeln und so einem typischen Instrument...wie heißt das..mensch. Mittendrin sprang dann noch der Reikiman rum und warf Puder durch die Kante. Zwei Omis, sicher so an die 70, tanzten flott mit. Ach die Nepalesen wissen es ausgelassen zu feiern. Während wir der Oldiparty beiwohnten, ging im Vorgarten die Party ab – auf einem aus Bett improvisierten Tischen tanzen die constructor, Krankenschwestern und feierten lauthals – ebenfalls ein Freibrief zum Prozente schlürfen. Ein zweiter Waschgang folgte – meine Fingernägel sind immernoch von der pinken Farbe verschönert. Holi ist schon toll. Es macht auch einfach Freude zu sehen, wie die älteren in ihren Festen aufgehen, wie sie tanzen, wie sie die Musik mögen, das hat alles so was Spirituelles aber auch so was Echtes. Nun werden wir auch immer mit einem noch breiteren Namaste und Grinsen begrüßt -



Ansonsten haben wir eine Morgenwanderung zur größten Shivastatue der Welt unternommen – aus dem Wanderung wurden dann eher eine Busfahrt. Aber ich liefe es Buszufahren (außnahme: die Fahrt nach Kathmandu), die Musik, die Leute, die Landschaft, die an einem vorbeizieht, letztens saß noch ein Huhn mit im Bus. Allerdings war auch die Statue under construction. Wir wollten uns dort den Sonnenaufgang anschauen, doch so wirklich bekamen wir sie dann nicht zu Gesicht – es war aber ein schönes Gefühl meditierend auf dem Hügel zu stehen und vor einem lag mal wieder das grüne Tal rund um Bhaktapur.

 
Vor paar Tagen gabs das heftigste Gewitter oder den heftigsten Regenschauer, den ich bisher erlebt habe: Innerhalb von zwei Minuten prasselten sooo viele Hagelkörner nieder, dass der ganze Innenhof aussah als wäre er mit Schnee bedeckt. Aber es war auch so laut – wir standen auf dem Gang und konnten kaum unser eigenes Wort verstehen. Nachdem der große Schauer vorüber war, wurde gleich mit den Hagelkörnern ein zweites Holi gespielt. Es war so erlösend – endlich wieder frische Luft zu haben – auch wenn es nicht lange anhält. Aber es war die erste Nacht, die ich mit offenen Fenster schlief. Ha von meinem Mut bin ich immer noch ganz baff.

Was gibt es noch zu berichten: Wir haben heut angefangen, unsere Malpläne an die Wände der Kinderstation zu bringen. Nun warten wir sehnsüchtig auf die Farbe!!
Morgens gegen 9 – besagte Nepalitime – geh ich zur Visite mit – und dankenswerter Weise erklärt der Professor viel auf Englisch und ich lerne etwas! Heut hatten wir ein langes Treffen mit ihm und der Matron – und eigentlich haben beide so viele Visionen und sind voller Tatendrang hier etwas zu verbessern – aber dann sind sie doch gebeutelt von der Mittellosigkeit. Lets see, what will happen. Kulinarisch gab es hier jede Menge Abewechslung: letztens gabs mal wieder Ricepudding! Yammie wie Aivy immer sagt. Mein Nepali dümpelt immer noch so vor sich hin. Letztens war ich bei der ersten NepaliClass – düdümm...Effektivität gleich 0... ich glaub wir nehmen das selbst in die Hand … ich glaub ich lern
hier echt Eigeninitiative, zumindest wär das doch wünschenswert. Die Aussprache ist so schwierig – es gibt so viele Laute, die ich vom Hören nicht mal so richtig unterscheiden kann – mal schauen...innerhalb von drei Monaten sollte man schon etwas gelernt haben...mein persönlicher Ansporn. Aber momentan leg ich noch den Schwerpunkt auf practising English. 


Nachtrag...eigentlich ist der der Entwurf schon seit einer Woche gespeichert - doch zum posten bin ich  nicht gekommen. 
Kurz zur den Highlights der vergangen Woche/Wochenende
- Samstag war MOooovienight. Wir haben es uns mit frisch gekaufter BollywoodDvd, Keksen, Nüssen bei Aivy im Zimmer gemütlich gemacht und schauten Chance pe Dance!!! Einfach nur zum schreien...obwohls auf Hindi, durchsetzt mit englischen Phrases, war, sagten die Bilder mehr als jedes Wort. Es war kein HardcoreBollywoodfilm, aber es, comme toujour um die Liebe, um den Magic Moment, den Star of India, persönliche rückschläge.... und der Hero sah echt recht schnukkelig aus. Er toastete das Brot mit dem Bügeleisen, war Tanzlehrer, der den unterricht verschlief...an sich einfach nur strange, aber so lustig!
- der von uns inspizierte Supermarkt ist gefährlich, bietet er doch so unglaublich leckere Kekse:(
- unsere Wände sehen schon schön kinderkunterbunt aus - eigentlich erschlägts einen, wenn man den Raum betritt - und ich merke das Fehlen meiner künsterischen Tätigkeit...aber immerhin verzierte ich das Ufer mit Fr-öschen und den Hügel mit ganz niedlichen Schäfchen....
- mit dem Zimmerumzug hiel zwar der Luxus der Unabhänigkeit Einzug, aber leider mussten wir den des warmen Wassers abgeben - nun gut. letztens hatten wir auf einmal gar kein wasser....und das zum Sonntag, wo ich doch wieder die Beine in der Waschschüssel schwingen wollte...aber das gute ist, dass es jetzt echt so schön warm ist. Letzens saß ich zum Frühstück auf dem richtigen Balkon und nachmittags ist es auch doch herrlich - man hat seine Ruhe, nur der Radiomann schaut vorbei, und die Sonne und den Ausblick...
- das tolle ist, man trifft hier so interessante Leute, man lernt viel kennen, alles fügt sich so dem andren - ach es ist schwer zu beschreiben
- die Landschaft ist schön, letzens waren kurz die Berge in sicht....




Nun finito, ich glaub der Schließmann kommt gleich - er ist schon da, und ich will das noch flott losposten, damit es diesmal etwas wird, obwohl so vieles auf mich einprasselt und es eigentlich noch so viel kleine Begebenheiten Erwähnung finden sollten, nun bis bald, ganz liebe grüße 


ach ich sage dem Krankenhaus für eine Woche adé und mache Urlaub...jaja nach sechs wochen harter Arbeit braucht mein Gemüt Frischluft:) Nein, im Ernst, ich packe die Gelegenheit beim Schopfe und reise mit den drei deutschen Mädchen in den Nationalpark und nach Pokhara. ich bin gespannt....und freu mich schon:)


Ganz ganz liebe Grüße an euch;)


bis bald, eure Marie

Kommentare:

  1. wie schön das erste foto ist!
    und wie neidisch ich beim lesen war! du kannst dir nicht vorstellen, wie.
    ich freu mich shcon jetzt auf deine zeichnungen!
    viel spaß beim entdecken und erleben. pass auf dich auf!

    mehr augenfutter! mehr augenfutter!
    ich bitte darum. x)

    bisous.

    http://www.youtube.com/watch?v=DHWsKTSdS74

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  2. ich meine wir sollten holi auch bei uns in deutschland einfuehren. vielleicht kannst du das ja mal organisieren marie:)
    ich hoffe du erholst dich im urlaub, ich weiss ja wie anstrengend reisen ist XD

    ahoj mariechen, bsx auch von mir

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