Freitag, 26. Februar 2010

Von feierfreudig-fanatischen Männern, grünen Tälern ...




Es ist Mittwoch – und eigentlich sind meine Gedanken zur Zeit nur beim Wochenende...living for the weekend...
Ich nehme mir jeden Tag vor etwas zu schreiben – aber die Selbstdiziplin und die Unvorhersehbarkeit des Tagesablaufs machen mir dann einen Strich durch die Rechnung. Letztens sagte ein Nepalese hier im Krankenhaus “In Germany you think and then you make a plan...you always have a plan and then the things will be good … i like it.“ Doch ich glaub wir machen manchmal echt zu viel Pläne. Da fällt mir nur ...war es John Lennon, der es sagte?!....“Life is this, what happens while you are making other plans“ ein.
Eindrücke en masse prasseln auf mich ein. Der Alltag hält Einzug.

Bon. Die vergangenen Wochen – ja in der Rückblende betrachtet – war nicht sonderlich spannend – zumindest, was die Arbeit betrifft. Je zwei Tage verbrachte ich im Altenheim, in der Notfallaufnahme, im Labor...zudem gesellte ich mich mal mit zur Zahnartzuntersuchung und X-Ray .

Kulinarisch gab es auch keine Höhepunkte zu verzeichnen. Dhal Bhat jeden Mittag und wahlweise jeden Abend (doch das fällt meist aufgrund der Monotonie unter den Tisch). Doch zugegebener Weise, nimmt die Geschmacklickeit der Gemüsevariation zu und ich freue mich mittags drauf. Dazu gibt es meist Milktea – und letztens Curt, den typischen Joghurt. Ein deluxes Mahl. Meine Vorliebe für Momos habe ich auch entdeckt. Es sind mit Gemüse (wahlweise auch mit irgendwelchem Fleisch) gefüllte Teigtaschen – mein Gaumen wird ein wahrer Momokenner nach diesen fünf Monaten hier. Dazu gibt es meist einen recht scharfen Linsendip – sehr vorzüglich.

Puh, zwei Wochen irgendwie zusammenzufassend wiederzugeben ist schwer.

12.02.2010
Fanatische Männer
Vorletzten Freitag wurde ja mal wieder hinduistisch-göttlich zelebriert und wir hatten frei– eine Schwester (die älteste im gesamten Krankenhaus ist 28!) wollte mal nach Pashuputinath, dem wichtigsten Hindutempel im Tal. Ich hatte im Vorhinein viel über Fest gelesen: Yogimänner und Pilger aus ganz Nepal und sogar Indien kommen – zum Teil sogar per pedes – nach Kathmandu. Der Tag ist der Freibrief für den hemmungslosen und nunja – geduldeten Haschischkonsum (Obwohl Yogis dieser eh erlaubt ist). An sich sollen sie mit Lendenschutz bekleidet sein und wie die Nackedeie im Tempel rumhocken. Doch mir blieb dieser Blick fern. Es war ein richtiger im Bettbleibetag – grau in grau, doch meine Ambition etwas Echtes, etwas Kulturelles zu sehen siegte über meine Trägheit – erst ging ich mit der Schwester zu ihr nach hause. Uh. Es war arg kalt. Die Küche bestand aus einigen auf den Boden stehenden Schüsseln und Eimern mit Wasser, zwei Gasplatten und einem Bett. Die Wände waren roher Beton . . . kein Wunder, dass hier so viele Kinder aufgrund von Atemproblemen und Durchfall behandelt werden. Aber Gastfreundschaft wird groß geschrieben. Wir tranken Kaffee (langsam fehlt mir mein morgentlicher Wachmacher) und marschierten dann über aufgeweichten Baustellenboden auf die andere Straßenseite und warteten auf einen Bus...wie sie nun den richtigen aus den vielen vorbeifahrenden Busse erwählte, habe ich nicht ganz durchstiegen. Aber es war so seltsam – man bleibt einfach irgendwo am Straßenrand stehen und die Busse halten an. Im Bus selbst, lief nepalesische Popmusik. Die fetzt schon und da macht das Busfahren doppelt Spaß – über Schlaglöcher, hupende Stopandgos – Die Bussitze sind sehr bequem – fast so wie kleine Reisebusse oder wie die 329 – jedoch auch schnell voll und oftmals wird das Busdach auch als Sitzfläche benutzt....ich hätte so bammel, dass ich runterpurzeln würde ! Nun...irgendwann wurde aus dem StopandGo ein Stop und es ging aufgrund eines Streikes nicht weiter. Streike gehören hier zum Alltagsleben wie bei uns Bahnverspätungen. Streiks sind so etwas Bundestagsdebatten bloß auf der Straße – und hier bei 52 Regierungsparteien so populär wie … Oftmals werden sie vorher im Internet oder per VoicetoVoice angekündigt, aber es ist doch alles ungewiss und die Gerüchteküche ist am brodeln – mal schauen ob es Ende Mai (eine neue Verfassung soll verabschiedet werden) besser wird.
Nun ich war bei Maha Shivaratri. Es war ganz gut, dass keine Fahrzeuge mehr den Weg passieren konnten, stieg mit jedem Meter (und wir liefen sicher so an die 30 – 40 Minuten) linear und letztendlich exponentiell doch die Anzahl der Passanten. Irgendwann kreuzten junge indische Kerle, sicher in hochreliglösen und hochnebulösen Sphären schwebend, auf Trommeln spielend und singend unsere Wege – Pulkbildung unvermeidbar und ich bangte, die Nepalesin zu verlieren. Die Straßenseiten waren gesäumt von Händlern, die von Essen über Schmuck bis hin zu Unterwäsche alles anboten. Als wir dann vor dem Areal standen, war es sooo unspektakulär. Es standen auf einem schlammigen, unscheinbaren Feld (normalerweise Touristen/Pilgerbusparkplatz) einige bunte Zelte, aus denen Hindumusik drang, Männer und Frauen tanzten. Das hatte beinahe so eine Szigetatmosphäre. Nun wollten wir aber endlich mal zu den Yogimännern hervordringen, doch dies gestaltete sich schwieriger als gedacht: Zuerst mussten wir ein Tor passieren, uns ins Zweierreihe einordnen und ...weiter sind wir auch gar nicht gekommen....Als wir versuchten uns irgendwie zu sortieren, drangen immer mehr Männer – aber wirklich nur Männer – in die Masse und drängelten und schubsten – aus Angst und aus Unwohlgefühl her aus, verließen wir den Pulk - und starteten einen zweiten Versuch von der Seite. Doch auf einmal kam die Polizei – mit Bambusstöcken bewaffnet und soo zahlreich präsent – warum auch immer – auf die Wartenden zu, welche nun sich pulkartig rennend entfernten. Boh...es ist soo ein seltsames Gefühl als Weiße unter all den Männern zu sein...unangenehm und wir fühlten uns auch nicht sicher – der entgültige Anlass diese Menschenmasse zu verlassen – ich bekam echt Angst und es war so anstrengend. Überall standen Leute, rauchend, verkaufend, handelnd, celebrierend. Auf dem Rückweg sahen wir so viele Pilgerbusse – so bunt, so hippiehaft – ...wir nahmen ein Taxi heim:) Es war nun nicht grad ein schönes Fest, aber es war so ein tolles Erlebnis alle diese Leute in ihrer Religion aufgehen und etwas Landestypisches zu sehen. Am Abend saßen wir noch im Hof vom Altenheim mit einigen Bewohnern zusammen – eine meinte, es wie Weihnachten heute. Es brannten überall Feuer – es wärmte so schön und hatte auch etwas Familiäres. Zugleich wurde die Gelegenheit ergriffen und altes Baumaterial zu verbrennen – eine Freude für alle hier befindlichen Männer, die bei Feuerspielchen wieder zu kleinen, wagemutigne Jungen mutieren. Wir brauchten kaum Licht, so lichterloh brannte ein Feuer vor unserem Fenster:)


13.02.
Baukunst
Am Samstag war es nebelig. Aber so! Das Überqueren der Straße war beinahe unmöglich, so wenig hat man gesehen. Eigentlich wollten wir unseren Ausflug zu dem 8km entfernten ältesten Tempel (auf einem Hügelchenchen gelegen – alles andere würden die Nepalesen als Verhöhnung wahrnehmen) des Valleys absagen, aber unser nepalesischer Begleiter (ebenfalls einer vom Kranhenhaus) war zuversichtlich und los gings: Ab durch Bhaktapur, langsam wurden die Fahrzeuge weniger, die Häuserabstände größer, die Umgebung grüner - wir liefen durch kleine Dörfer – Frauen wuschen, Kühe und Ziegen standen vor den Häusern, Kinder tollten rum. Die Landschaft war so toll – so saftig grüne Weizenfelder gesäumt von einzelnen bereits blühende Rapspflanzen breiteten sich terassenförmig vor uns aus. Landidylle! Es ging leicht hügelig bergauf und bergab – letztendlich nur noch bergauf und dann noch soo viele Stufen. Man waren wir k.O als wir oben ankamen – sicher aufgrund der prasselnden Sonne:) Und in der Tat man hatte eine wunderbare Aussicht – sowohl auf den Himalaya als auch auf das sich vor uns ausbreitende Tal. Wundervoll! Wir bekam jede Menge Infos über Shiva und seine 10 Inkarnationen, die Zusammenhänge, Verwandtschaftsverhältnisse, Vergehen....man o man. So viel, dass es schwer fällt den Überblick zu wahren und sich alles irgendwie zu merken. Nun standen wir also vor einem 17hunderjahre alten Tempel. Das ist schon imposant, gerade wenn man sich bedenkt, wie filigran sie schon damals Holzschnitzereien angefertigt haben, wie früher alles konstruiert war. Um diesen Tempel standen weitere kleinere Schreine und Templchen und eine Stupa (typisch buddhistisch) – und nicht zu vergessen: Jungs, die Tischtennis spielten und laut Handymusik hörten. Der Aufseher gesellte sich mit zu ihnen. Nunja nunja. Mit Blick auf das Tal stärkten wir uns und aßen kollektiv Momos – irgendwie hatte ich das Gefühl im Sommerurlaub zu sein. Rückzu wählten wir den Bus – eine weise Entscheidung – über Stock und Stein, halb im Morast versinkend, brenzlige Überholmanöver ..nunja auch das will gelernt sein – aber ich hab noch nicht einen Unfall gesehen! - so konnte man den ganzen Blick über das Tal nochmal genießen und saß noch ein paar mehr verschlafene, ursprüngliche Dörfchen....
Ein Abstecher zu den Wasserbecken der Stadt – die auch als Rendez-Vous-Platz dienen, vervollkommneten den Tag! In ein Landheimressume würde ich nun schreiben: Geschafft aber glücklich!

14.02. Happy Valentines Day
Die Überraschung des Tages: Herrn Valentin wird hier glaube ich mehr Bedeutung als bei uns zugedacht. Allgemein spielt glaube ich für die jungen Leute die Liebe eine sehr große Rolle, sie fragen ob man schon verheiratet ist und ob man an Liebe glaubt...in Deutschland würd ich solche Fragen so absurd finden... aber ich glaube hier ist es auch aufgrund der Tradition her anders. Es sind ja keine Liebesheiraten – es sind arrangierte...es ist kein Platz für ein Verliebtsein (oder für Liebe) – sondern ein starres Konstrukt aus Bekanntschaften, Kastenzugehörigkeit, Vorteilsdenken.... Vielleicht spielt daher auch in den Bollywoodfilmen die erfüllte, gegenseitige Liebe so eine große Rolle – die Träume bekommen einen ...Etwas However...ich war wirklich überrascht. Ich bekam meine allererste Valentinstagssms – wer hätte das gedacht – in Nepal:) Allerdings von der Schwester, die mich am Freitag mitgenommen hat;) Aber nicht nur das: Auch der Krankenhausmanager klopfte an unsere Tür und wünschte uns einen HappyValentinsDay. Ach Mensch... Cat Stevens Worte und Töne schallten durch unseren Raum und es schien so stimmig:)

Impressionen aus dem Krankenhaus und Bhaktapur
 X-Ray-Geräte, die eine leibhaftige Zeitreise in die 1950 Jahre erlauben
 eine Strahlenschutzvorkehrung – zum Haare sträuben: beim Röntgen werden keine Bleischürzen angelegt und bei jedem X-Ray-Bild flüchtete ich mich nach draußen – irgendwie fühlte ich mich zu kontaminiert in dem Kabüffchen
 zur Zeit findet so ein großes Umräumen statt...überall wird gebaut, geräumt. Vielleicht brauchen das auch die Nepalesen um zu sehen, dass etwas im Prozess ist...who knows. Aber ambitioniert sind sie schon auf ihre weise.
 Ich begleitete das HIV Projekt und war an zwei Schulen....als wir die erste erreichten, fragte ich mich wo hier so viele Schulklassen (1-9) untergebracht werden sollten – ich sah nur drei Räume in einem Flachbau...surprise surprise erwiesen sie sich doch als mehr und ein einfacher Bau aus Backstein und Wellblech – unterteilt mittels Miniwänden aus Backstein – diente für Klasse 7, 8 und 9. Das interessante ist, da es eine öffentliche Schule war, waren in jeder Klasse nur etwa 6-11 Schüler – auf kleinen Holzbänkchen, in blauer Schuluniform, hübsch gemachten Haaren, und waren schon sehr wissbegierig...oder machten große Augen als ich ein paar Floskeln auf Nepali sprach und dann kurz zur Aids-Erklärung interagierte, mir persönlich hat das großen Spaß gemacht, weil es etwas so aktives war und etwas -hoffentlich- von Bestand. Aber es war auch so seltsam...nun stand ich vor einer Klasse – vor einem dreiviertel Jahr war ich es, die noch in ihre Hefter schrieb und nun schrieb ich an die Tafel.
Am Tag drauf, war ich bei einem Hiv Contest in einer Schule...sozusagen zur Wissensüberprüfung. Mir war gar nicht bewusst, wohin es geht – eine aus dem Büro meinte nur, dass es toll wär, wenn einer mitkäme....nun ich lies mich überraschen und wartete auf den Driver...und später ---NepaliTime eben---- ging es los..auf dem Motorrad über den Highway, zwischen Hupen, mit Beuteln bepackt, mit zugekniffenen Augen – im wahrsten Sinne Augen zu und durch – und natürlich mit einer kleinen Portion an Ängstlichkeit...aber es fetzt schon so mit dem Motorrad durch die Lande zu düsen – ich liebe es, wenn man den Fahrtwind spürt. Da erscheint einem alles so leicht – irgendwann kamen wir auch an...und zugegebener Maßen war ich überrascht, wo wir gelandet waren...Es war ein richtiges Schulevent, Klassen sind gegeneinander angetreten und als Hellhäutige ist man natürlich auch ein Faktor von Interesse und Betonung der Wichtigkeit der Sache – allerdings schaute ich nur zu und fand es toll das zu erleben…. und ich erblickte zum ersten mal gelockte Haare.

 Mittagspausen können auch nach Belieben ausgeweitet werden (sodass auch eine Rückkehr zur Arbeitsstätte ausbleiben kann) um die Vorzüge der Sonne im Garten liegend zu genießen:)
 Stromausfälle - trotz Generator – kommen gelegentlich vor. Das gesamte Altenheim erstrahlte in der Notbeleuchtung – nur unser Raum blieb 220Volt arm. Thats the real nepali live...
 Nepalesen lieben es zu rotzen – laut und überall...Taschentücher gelten als verwerflich...wir trainieren um am Ende des Aufenthalts einem Nepalirotzcontest glorreich zu bestehen


Wochenende bei der Matron
Nun Freitag ging es mit dem krankenhauseigenem Chauffierservice auf nach Kathmandu. Die Matron – irgendwie vergleichbar mit einer Oberschwester, aber einflussreicher – und zugleich unsere „Gastmutter“ - eine kleine, wohlbeleibte Frau von 65 Jahren … man sieht sie immer wie durch einen Gast über den Gang schwebend schlürfen - lud uns für das Wochenende zu sich nach Hause ein. Ich war gespannt – ich bin einfach immer so gespannt zu sehen, wie die Leute hier wohnen. Sie wohnte in einer Vip-Gegend von Ktm...die Häuser, die alle wie kleine Türmchen in die Höhe ragen (meist drei Stockwerke mit einer sehr kleinen Grundfläche), waren bunt angemalt, standen sehr dich beieinander (man konnte das TV-Programm vom Nachbarhaus exzellent mithören) – aber es war sehr ruhig (kein Straßenlärm, kein Hundebellen – eigentlich nur Ruhe!). Für meine Ohren kaum vorstellbar – mitten in Kathmandu. Und die Wohnung war auch nett – nicht stark möbliert, sicher auch aufgrund der oftmaligen Dunkelheit, warm, mit Blick auf einen grünen Baum – mit Etagendusche und Zähneputzen outside. Es war so lustig als man morgens auf dem terassenartigen Vorsprung während des Zähneputzens stand und man ringsrum überall auf den Häusern Zähne putzende Leute erblickte. Am Abend erfolgte ein kurzer Abstecher nach Thamel – und ich war wieder geflutete von dem Angebot an Sachen – wir waren in einem Buchladen – eine Wucht! Und kauften uns ein Buch um Nepali zu lernen – im Nachhinein entdeckten wir, dass hauptsächlich nur die Zeichenschrift Verwendung findet:) Strike! . . . Aber es ist so penetrant nervig, wenn man ständig von jeden Seiten angesprochen wird weil man so wie ein Tourist ausschaut – Taxi hier, Rikscha da, Namaste überall – und eigentlich bieten sie dort in den Souveniersachen an, die ich bisher an noch niemanden gesehen hab – also total klischeehaft. Plötzlich hörten wir Sirenen – und kurzerhand wurde die Straße abgesperrt und irgendwelche Politiker fuhren vorbei – begleitet von einem Pickup mit etwa 10 sichtbar schwer bewaffneten Soldaten – irgendwie ein unheimliches Gefühl. Wie es sich sicher bei einer nepalesich-gastfreundschaftlichen Bewirtung war das Abendessen (Dhal Bat) reichlicher als reichlich, aber sehr vorzüglich. Langsam bin ich immer gespannter, welches Gemüse es heute gibt – und ich werde zum Reisgourmet. Zum Nachtisch gabs Rice-pudding- vergleichbar zu Milchreis. Hach, eine Gaumenfreude! Mit PseudoLagerfeuerromantik dank eines Heaters schlummerte ich soo schnell ein wie schon lang nicht mehr – und ohne zusätzlichen Pulli!
Wir besichtigten zwei Krankenhäuser – ein Kinderkrankenhaus und das Teaching-Hospital. Es ist so hart, wenn man das alles sieht - und man gesagt bekommt, es ist das bestausgestatte Krankenhaus in Nepal. Das Teaching-Hospital hatte unheimlich viele Angebote – zumindest preisen sie es am Eingang an – die tatsächliche momentane Funktionalität ist eine andre Sache. Wir sahen die HNO Abteilung, Medizinische Klinik, Neuroabteilung, Kinderstation, Nephrologie, die Intensivstation sowie die Herzstation. Aber das beeindruckendste war die Geburtsstation – da bliebe ich lieber zu Hause. Ein auslandender, neonbeleuchteter, dreckiger Raum, blutverschmierte Laken, Eimer und Betten – mir lief ein Schauer über den Rücken als ich sah, wo hier die Kinder zur Welt gebracht werden. Kurzzeitig musste ich an meinen ersten Ostralebesuch (insb. Fettschmelzenkeller) denken. Nun, von den medizinischen Geräten hab ich wenig Ahnung, aber dass es eine halbe Behelfsmechanik und Zeitreise der Medizintechnik ist, kann man glaub ich auch so feststellen. Es gab 5 oder 6 Intensivstationsbetten – für das Tal! Ob die Behandlung und Stationierung eine Relevanz bei dieser Ausstattung hat - who knows. Arg heftig fand ich auch die Stationen, ein gänzlich großer Raum, mit etwa 30 bis 60 Betten! Hygiene und Sterilitätsvorschriften werden kaum eine Bedeutung beigemessen – Handschuhe werden, wenn sie denn überhaupt verwendet werden, wieder verwendet, Desinfektion von Geräten in der Tat ein Fremdwort, Verbandsmittel werden selbstgenäht, die Wäscherei ist ein Raum, der ganz und gar nicht nach Wäscherei ausschaut eher nach altem Industrieraum mit, der sterile OP-Bereich ist nur durch eine rote Linie auf dem Boden abgetrennt–
Ich war sehr bedrückt als ich aus dem Krankenhauskomplex rauskam...eine Hilf- und Tatenlosigkeit überkam mich. Aber ich bin ihr so dankbar, dass sie uns diese Krankenhäuser zeigte – ist das doch so wichtig und es war auf eine besondere Weise ein prägendes, einschneidendes aber auch tolles Erlebnis.
Später fuhren wir zu Verwandten und wir schauten uns die dritte Talstadt – Patan – an – mal wieder gab es Milktea....ich bin schon fast süchtig nach ihm:)... - und dann gings im TucTuc – das ist ein Microbus, welcher mit Elektromotor betrieben auf drei drei Rädern durch die Straßen düst – und innen 14 Mann und hoher Transpirationsrate zur ihr heim. Und dort genossen wir die Vorzüge einer Dachtasse – es ist so toll, einfach dort rumzusitzen, in den Himmel zu schauen, die Freiheit über den Straßen und Dächern der Stadt zu spüren. Überall stehen Teracottatöpfe mit Pfanzen rum – es wirkt auf mich manchmal alles sehr mediterran. Außerdem machten wir einen längeren Abstecher in einen der größten Supermärkte des Landes! Manoman. Wer meinte, Nepal bietet keinen Konsumrausch, der lag falsch. Me too. Auf 4 Etagen verteilten sich unmassen an Schuhen, Stoffen, Keksen, Obst, Cremes, Anziehsachen . . . allerdings zogen wir nur mit den üblichen Gebrauchsartikel wie Toilettenpapier, Gemüse, Saft und Badartikel heim – mit Taschenlampe, einzelne Autolichter leuchteten uns den Weg...allerdings haben wir die Hälfte unserer nur in Gedanken existierenden Einkaufsliste vergessen...
Bald war es auch schon Sonntag – und regulärer Arbeitstag. Wir wurden am Morgen von der Ambulanz abgeholt! Nun tuckerten wir in einem Uraltfahrzeug irgendwo neben des Highway lang – es ist soo enstspannt....



Nun sind wir auch schon zu dritt – ab morgen zu sechst - als Freiwillige hier. Am Samstag kam eine malaysisch-australische Ärztin hier an – man wenn alle Australier so sind, kann ich Elli echt verstehen, wenn sie länger dort bleiben will...einfach unglaublich herzlich, nett, hilfsbereit und einfach zur allgemeinen gemütsmäßigen Erheiterung beitragen. Und ich spreche wieder mehr englisch! Letzens haben wir mal angefangen etwas System und Ordnung in die Neben-und Übereinanderlagerung von allmöglichen Sachen im Stroreroom zu bringen. Eine Zeitreise durch die Geschichte des Krankenhauses und der Medizin bleibt unweigerlich nicht aus. Und was man alles dort findet – mit OP-Kitteln und Mundschutz gerüstet packten wir an. Kinderspielzeug, OP-Besteck (obwohl es ja gar keinen OP gibt), tausende Spritzen, Kanülen, Labormaterialien, … es ist glaub ich einfach die Mentalität--- aber es ist auch frustrierend, alles wird einfach in einen Raum gepackt, keiner befasst sich mit den Sachen und keiner weiß von der Existenz vieler hilfreicher Sachen – wir fanden etwa 2000 Kondome und das HIV-Projekt suchte Möglichkeiten welche in größeren Mengen zu bekommen. Es wird sicher ein bis zwei Wochen dauern – dann ist es piccobello...wie lange ist eine andere Frage. Aber es fetzt, so lerne ich viele Instrumente und medizinisches Equipement kennen mit zwei so sachkundigen Leuten...und man sieht, welchen Fortschritt man macht.
Die Abende verbringen in unserem liebsten Dachterassencafé, mit Lesen, rumliegen oder indem ich diesen Blog hier schreibe...es geht momentan so schwer von der Hand. Manchmal waren wir auch unglaublich handwerklich kreativ und produktiv...die Not macht eben erfinderisch. Ich habe gelernt, was man alles mit Klebeband und Schnürsenkeln anstellen kann –
Allerdings haben wir nun nicht mehr so viel davon – da wir unser Zimmer räumen mussten. Jaja Nepali-Time und Nepali-Arbeitseinstellung sorgten dafür, dass die neuen Gästezimmer nicht rechtzeitig fertig wurden und wir nun einen kleinen Umzug vornahmen. Ich wohne nun 3 Zimmer weiter. Ein Einzelzimmer. Allerdings habe ich keinen schönen Bettblick mehr – jetzt sehe ich die Pagode vom WC-Sitz aus.
Nun sind wir zu sechst, drei deutsche Medizinstudentinnen erweiterten unseren Bund der Freiwilligen, allerdings bleiben sie nur geschlagene drei Wochen. Vielleicht auch kürzer. Nun sind wir 6 Mädchen hier, ob das bezeichnend ist?

Nun ist schon wieder Freitag....wie die Zeit rennt und meine Finger und der Verlauf des Blogs nicht mit mithalten können.

Ich bin gespannt, was das Wochenende bereithält, schließlich ist ja Holi, das Farbfestival. Wir müssen uns noch mit einem weißen Tshirt rüsten, Farbe haben wir schon. Ach ich bin so gespannt. Wie eine nachgeholte Schneeballschlacht – allerdings auch nicht grad ungefährlich...ich bin ganz froh, dass wir hier in Bhaktapur bleiben uns uns somit auch vor der Farbenexplosion zurückziehen können.

Nungut, liebe Grüße mit sonnenstrahlen gespickt.

Kommentare:

  1. Danke für die Sonnenstrahlen, die es gerade geschafft haben die olkendecke zu durchbrechen. Jedenfalls für einen kurzen Moment.
    Ein Foto [von dem hoffentlich nicht mehr so weißem] T-Shirt hätte ich gern. :]
    Hoffentlich gehts dir gut.

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  2. Liebe marie, irgendwie bist du schon ein bisschen angekommen. im ersten eintrag hatte man noch den eindruck, dass du dich fragst, ob du dir zu viel getraut hast. die neugier hat gesiegt und du wirst mit einem riesenpacken an erfahrung und selbstvertrauen zurückkommen. um die bilder um dich herum beneide ich dich schon jetzt. ich wünsche dir, dass du weiterhin viel sonne hast, um dieses atemberaubende panorama und alle farben davor ausgiebig zu genießen. deinen platz und deine aufgabe dort wirst du finden und dies wird dir ganz sicher neue türen in der welt öffnen. Liebe grüße und alles gute.

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  3. marieeeeeee:)

    ich freu mich so. du klingst echt anders als im ersten eintrag. du freust dich auf alles, bist neugierig und nicht besorgt, das macht mich gerade einfach gluecklich...^^(mein ich ernst, nicht nur phrasenmaessig)
    ich will ja nicht sagen i told you so, aber....naja.... ;)

    du hast es doch tatsaechlich geschafft, mir meine 30 freiminuten in der bibo hier zu rauben. aber ich verzeih dir. oh jetzt kam gerade so eine tolle anzeige, dass ich verlaengern kann, und jetzt habe ich noch 15min mehr...yeah...
    egal mir ist auch john lennons spruch im laufe meiner zeit hier mehrmals ueber den weg gelaufen, seltsamer zufall nicht?
    ich hab echt angst blog zu schreiben, du schreibst so viel besser. man ich schaeme mich so fuer meine verbale unfaehigkeit mich angemessen auszudruecken.

    von dem farbfestival hab ich schonmal gehoert, davon musst du unbedingt ausgiebig berichten...ich wollt schon immer mal paintball spielen, stell ich mir irgendwie so aehnlich vor.

    hab dich sehr lieb, ich hoffe wir hoeren bald was voneinander.
    viel spass beim farbenspiel
    xxx

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